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Kirche, Kneipe, Kino – mit dieser Dreifaltigkeit städtischen Lebens ist es schon lange vorbei. Über ein halbes Jahr war das Filmforum NRW mit seiner Reihe „Kino als Ort“ der Frage nachgegangen, was Kino einmal war – Rummelplatzattraktion, Wanderkino und Filmtheater. Auf das Fernsehen regierte die Branche mit dem Schachtelkino, auf das Video mit dem Multiplex. Im Zuge der Digitalisierung ist das Kino nur noch ein Ort unter vielen, wo man Filme sehen kann – eben im Fernsehen, im Internet, per Public Viewing oder Pay per View. Auf die zunehmende Marginalisierung des Kinos reagieren etliche Betreiber mit dem Rückzug in die Nische des Kunstkinos – auch in Köln. Das ergab eine Podiumsdiskussion, mit der das Filmforum dieser Tage die Reihe abschloss.

 

„Eigentlich müsste sich das Kino neu erfinden“, meinte der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth (Internationale Filmschule) mit Blick auf ein verändertes Nutzerverhalten. Statt sich an der Filmkritik zu orientieren, diskutiere das jüngere Publikum seine Filme in Internet-Foren. Auf Nachfrage empfahl Freyermuth, um die Kinos Communities zu bilden und die Besucher an der Programmierung zu beteiligen. Hier hätte eine spannende Diskussion beginnen können, wie sich Kölner Kinobetreiber das Kino der Zukunft vorstellen. Stattdessen brachte der moderierende Filmredakteur des Kölner Stadtanzeigers, Frank Olbert, die Kölner Luxet Projektentwicklungsgesellschaft ins Spiel. Sie will das Gebäude des Rautenstrauch-Joest-Museums, das mit dem Umzug des Museum an den Neumarkt frei wird, zu Teilen bewirtschaften und dort drei Kinosäle einrichten.

 

Bislang war der Vorstoß, in der Südstadt neben dem Odeon ein weiteres Kino platzieren zu wollen, mit der Klage begründet worden, in Köln gebe es zu wenig Leinwände. Dem konnte Eva Matlok nicht folgen. „Die Kölner Zahlen liegen über dem Durchschnitt“, so die Geschäftsführerin der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater. Auch nach Kinoschließungen in den letzten 10 Jahren sei Köln nicht unterversorgt – weder mit Leinwänden noch mit Filmen. Matlok: „Auch kleine Filme finden ihren Platz.“

 

Vor diesem Hintergrund bewarb Luxet-Geschäftsführer Horst Peter Koll das Projekt nicht mehr als Kino, sondern als Medienbildungszentrum inklusive Gastronomie, Hotel und eben Kino. Das erinnerte den Filmkritiker Daniel Kothenschulte an ein multifunktionales Kulturzentrum, wie es die Volkshochschulen vor 30 Jahren propagiert hätten. Konrad Peschen, Leiter der stadtkölnischen Medienstabsstelle, sprach sich indirekt gegen eine Subventionierung durch die Stadt Köln aus. Dem Projekt stehen allein für die Gebäudesanierung Kosten zwischen 15 und 25 Mio. Euro im Wege.

 

Zumindest dem Odeon würden weitere Säle in der Kölner Südstadt das Überleben erschweren. „Wir arbeiten eh schon auf Selbstausbeutungsbasis“, sagte Geschäftsführer Jürgen Lütz. Ein weiteres Kino in der Nähe garantiere Besucherrückgänge. Während das Odeon in guten Jahren auf 50.000, in schlechten auf 40.000 Besucher komme, leide man aktuell auch unter dem U-Bahn-Bau der KVB. Lütz bezweifelte, dass sich mit neuen Kinosälen in der Südstadt insgesamt mehr Besucher anlocken ließen.

 

Für Luxet-Kooperationspartner Joachim Kühn hingegen, der in Ebertplatz-Nähe die Filmpalette betreibt, gibt es durchaus weiteres Besucherpotential. Obwohl im nahen Umfeld der nördlichen Altstadt zwei Drittel der Kölner Leinwände verortet seien, habe man mit einem im letzten Jahr eröffneten zweiten Saal auf Anhieb 50 Prozent mehr Besucher gezogen. Kühns Publikum stehen insgesamt 115 Sitzplätze zu Verfügung.

 

Vielleicht liegt nicht nur für das Kino die Zukunft mehr im Kleinen. Auch die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, Karin Beier, hat vor einigen Monaten darauf hingewiesen, dass die Krise der Stadttheater auch daran liegt, dass sie einfach zu groß sind.

 

(24.04.08)

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