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  Ehrenfeld Identity
     

Das Bild vom Kölner Stadtteil Ehrenfeld hat sich in den letzten Jahrzehnten vielfach gewandelt -– vom ehemaligen Arbeiter- über das Szene-Viertel bis zur „Kreativzone Ehrenfeld“ als jüngstem Label. In werblichen Veröffentlichungen wird Ehrenfeld auch als „Cluster“ junger Start Ups, Designbüros, Ateliers und Studios beschrieben. „Mit Verlaub: das nervt“, sagen Die Kollegen, ein in der Vogelsanger Straße angesiedeltes Netzwerk aus Medien-, Kommunikations- und Designschaffenden. Pünktlich zur Eröffnung der Passagen (bis 24.01.) brachten sie am Montag die Zeitschrift ehrenfelder heraus, in der sie Ehrenfeld abseits gängiger Zuschreibungen neu vermessen. Ihr Fazit: „Der Stadtteil braucht keinen Stempel und er verträgt auch keinen“. Auch Die Kollegen nehmen an den Passagen teil und sind Anlaufpunkt des „Designzone Ehrenfeld“. 

 

Auf 88 Seiten versammelt die Chefredaktion aus Jessica Hoppe, Matthias Knop und Prasanna Oommen-Hirschberg, unterstützt von den Kreativdirektoren Mareille Busse und Stefan Flach, neue Blicke auf einen Stadtteil im Wandel. Der Blick aus dem eigenen Büro geht auf den nahen Heliossturm, eine von zwei Landmarken der westlichen Kölner Stadtlandschaft. Gastautor Johannes Böttger beschreibt im Heft, wie mit der Moschee eine zweite entsteht. Dazwischen entwickelt sich, so ein Szenario im Editorial, „eine Monokultur aus Besserverdienenden, Biobewegten, spätgeborenen Kindern, spätgebärenden Akademikereltern - glückliche LOHAS unter sich.“ Die Kollegen verbinden mit Ehrenfeld auch „verstopfte Straßen, vermüllte Hauseingänge, Hundescheiße, bemalte Haueingänge, Fliesenfassaden.“ Oommen-Hirschberg: „Ehrenfeld ist auch ganz normal.“    

 

Für ein anderes Ehrenfeld-Szenario, das nicht im ehrenfelder steht, zeichnet Passagen-Organisatorin Sabine Voggenreiter verantwortlich. Ihr „Design Quartier Ehrenfeld“ ist Siegerprojekt des Landeswettbewerbs Create NRW, Abteilung Kultur und Kreativwirtschaft. Auch Voggenreiter hat das Areal am Heliosturm im Blick. In drei Jahren will sie hier „sukzessive das ehemalige Arbeiterviertel zu einem dynamischen Zentrum für junges internationales Design ausbauen“. Bis „Made in Ehrenfeld“ die neue Marke wird, sei „kleinformatiges und sensibles urbanes und sozial interaktives Planen“ angesagt. Wie sensibel und sozial die Developer von Bauwens-Adenauer, die das Areal übernommen haben, mitplanen, bleibt abzuwarten.

 

Skeptisch gegenüber den vielen Zuschreibungen haben die Kollegen im ehrenfelder das Manifest „Not in Our Name, Marke Hamburg“ abgedruckt, mit dem eine Gruppe Hamburger Kulturschaffender im letzten Herbst gegen Immobilienspekulation und Gentrifizierung im Gängeviertel anschrieb. Mit ihrer Volte gegen den Neusprech der Cluster-Manager erregten die Hamburger bundesweit Aufsehen. Die Kölner Kollegen sehen auch auf Ehrenfeld eine neue Welle der Gentrifizierung zukommen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: „Dort, wo die Entwicklung so oder so im Gange ist, möge sie lieber weiterhin graswurzelhaft von selbst durch die Einwohner geschehen.“

Info: der ehrenfelder unter www.ehrenfelder.org/; das Voggenreiter-Projekt unter www.d-q-e.net/index.html 


(19.01.10)

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