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Der Etat der Oper Köln ist erneut ins Gerede gekommen. Der jüngste Fall: vor einer Woche forderte Kulturdezernent Georg Quander wieder einmal auf den letzten Drücker die Zustimmung des Stadtrates zum Rückgriff der Städtischen Bühnen auf deren Vermögensrücklagen ein. Diesmal vertrat er eine Vorlage der Stadtverwaltung, nach der eine Finanzierungslücke von 450.000 Euro bei der Opern-Aufführung des Werkes „Sonntag“ von Karlheinz Stockhausen aus der Betriebsmittelrücklage gedeckt werden soll. Es gibt allerdings  keinen Beschluss von Rat oder Ausschüssen, die Stockhausen-Aufführung im Falle eines Defizits zu bezuschussen.

 

Bis dahin waren Rat und Ausschüsse nicht darüber informiert, dass es ein Finanzierungsproblem geben könnte. „Die Kulturverwaltung hat die Vorlage unverzüglich erstellt, nachdem die Finanzierungslücke bekannt geworden war“, hieß es seitens der Stadt. Quander musste vor dem Finanzausschuss die Bühnenfinanzen offen legen, konnte jedoch keine klare Auskunft geben, ob die mit 5,6 Mio Euro angegebene Rücklage auch noch vorhanden wäre. Kurz vor der Ratssitzung am 14. September musste er dann zugeben, dass nur noch 3,5 Mio Euro disponibel sind. Angesichts der vorhandenen Risiken für die Finanzierung des Bühnenbetriebs verweigerten SPD, Grüne und CDU die Zustimmung zu Quanders „alternativlosem Plan“.

 

Da Quander offenbar eine Niederlage befürchtete, zog er die Vorlage in der Ratssitzung zur Verblüffung der Ratsmitglieder mit der Begründung zurück, anderweitige Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Die Verblüffung schlug nicht nur bei den Finanzpolitikern Martin Börschel (SPD) und Jörg Frank (Grüne) in nachhaltige Verstimmung um, als Quander am 21. September im Betriebsausschuss Bühnen erklärte, für die Aufführung nur noch zusätzlich 150.000 Euro zu benötigen, die aus dem laufenden Bühnen-Budget finanzierbar seien.

 

Quanders Volte: „Wir können in allen Produktionsbereichen der Uraufführung deutliche Kostenreduzierungen erreichen, zudem haben wir Sponsoren gewinnen können und eine Fördergeldzusage von 50.000 Euro aus dem Fond Neues Musiktheater“. Auch die Art Cologne mache mit, da sie ihren Kunden in einem VIP-Paket Tickets für die Uraufführung im April 2011 anbiete. Die Politiker zogen aus diesem Vorgang den Schluss, dass die Bühnen nicht seriös mit den knappen Finanzen umgehen. Wie es heisst, soll Quanders Lavieren noch ein politisches Nachspiel haben

 

Noch ein Fall: Im August verlangte die Bühnenleitung von den daheim gebliebenen Ratspolitikern per Dringlichkeitsentscheidung zusätzliche 168.000 Euro für eine neue Bestuhlung ihrer Aufführungen in der Interimszeit ab. Inwieweit die Oper auf die Bestuhlungen ihrer jeweiligen Gastgeber im Palladium oder im Deutzer Staatenhaus zurückgreifen kann, war offenbar nicht ernsthaft geprüft worden. Angeblich sei die dort vorhandene Bestuhlung für das Opernpublikum nicht angemessen.

 

In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass die Bühnen bis heute noch keinen Wirtschaftsplan für die Interimszeit vorgelegt haben, vielmehr wurde ein Teil der Kosten in die Vorlage zur Sanierung von Oper und Schauspiel „eingearbeitet“. Demnach sollen sie von 19 auf 33 Mio. Euro steigen, weil sich das Interim nach aktuellen Vorlagen um zwei Jahre verlängert. Für die Nutzung einer „repertoirefähigen Spielstätte von 2012 bis 2015“ werden zudem noch weitere 8 Mio. Euro zusätzlich „für Miete und Ertüchtigung“ veranschlagt.

 

Der größte Fall: Seit Beginn der Reiseplanungen der Oper für China wurde der Rat jeweils mit Verspätung über die Planung selbst, die Kosten und eine angeblich notwendige Entnahme aus der Betriebsmittelrücklage informiert. Zur Finanzierung der insgesamt ca. 3,7 Mio. Euro teuren Expedition solle eine Betriebsmittelrücklage von fast 1,4 Mio. Euro in Anspruch genommen werden – so der Stand im Mai letzten Jahres. Zudem würden 1,1 Mio Euro von chinesischer Seite gezahlt, 792.000 Euro aus dem Opernbudget finanziert und 44.000 Euro von Sponsoren aufgebracht. Zusagen konnten aber nicht vorgelegt werden. Deshalb deckelte die Politik die Entnahmen auf 825.000 Euro.

 

Normalerweise wirtschaften die Bühnen als Eigenbetrieb in eigener Verantwortung und haben dafür ein Budget, dessen Defizit allerdings pro Jahr aus dem Stadthaushalt mit einem Zuschuss von ca. 53 Mio. Euro ausgeglichen wird. Die Budgetkontrolle liegt beim Betriebsausschuss Bühnen, in dem die Kulturpolitiker aus dem Kulturausschuss sitzen. Allein der Rückgriff auf die selbst erwirtschaftete Betriebsmittelrücklage der Bühnen erfordert auch die Zustimmung von Finanzausschuss und Rat.

 

(22.09.10)

 

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